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Plagiatsprüfung · Ratgeber

Sekundärzitat: Sekundärquellen richtig zitieren mit „zit. n.“

Ein Sekundärzitat übernimmst du nicht aus dem Original, sondern aus einem Werk, das dieses Original zitiert. Im Beleg nennst du deshalb beide: zuerst das Original, dann mit „zit. n.“ (zitiert nach) die Quelle, die du tatsächlich gelesen hast. Zulässig ist das nur als Ausnahme, etwa wenn du das Original trotz ernsthafter Suche nicht bekommst.

Veröffentlicht Aktualisiert 7 Min. Lesezeit

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Was ein Sekundärzitat ist

Ein Beispiel: Erika Musterfrau zitiert in ihrem Lehrbuch von 2019 auf S. 45 einen Satz aus Max Mustermanns Buch von 1987. Du hast nur Musterfraus Buch gelesen. Übernimmst du den Satz, ist das ein Sekundärzitat. Das gilt auch, wenn du ihn nur sinngemäß wiedergibst.

Verwechsle das nicht mit dem Zitat im Zitat. Dort zitierst du eine Passage, die selbst ein Zitat enthält. Belegt wird nur die Quelle, die du gelesen hast, denn du zitierst deren Text. Die Grundlagen zu direkten und indirekten Zitaten stehen im Ratgeber Richtig zitieren.

Plagiatsprüfung

Beispieltext

Hybride Lehre verbindet Präsenztermine mit digitalen Selbstlernphasen. Hartmann (2021) betont, dass die Begleitung über den Lernerfolg entscheidet, nicht das Medium. Mehrere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass die Motivation von Studierenden in hybriden Formaten steigt, wenn Lehrende regelmäßig Rückmeldung geben. Offen bleibt, wie sich der Mehraufwand für Lehrende langfristig auswirkt.

2 Fundstellen, jede mit ihrer Quelle

  1. Fachartikel zu hybrider Lehre · Korrekt zitiert92 %
  2. Hochschulblog zu Lernmotivation · Offen61 %

Ähnlichkeit ist nicht automatisch ein Plagiat. Ob eine Stelle korrekt zitiert ist, entscheidest du.

Abbildung 1 · Beispieltext. Jede Fundstelle wird mit ihrer Quelle angezeigt.

So kennzeichnest du ein Sekundärzitat

Das Grundmuster ist in allen drei Stilen gleich: erst das Original, dann mit einem Zusatz das Werk, in dem du die Stelle gefunden hast. Der Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) verlangt in seinen Zitierregeln, ein Sekundärzitat deutlich zu kennzeichnen. Als Beispiel nennt er die Originalquelle mit dem ausdrücklichen Hinweis „zitiert nach …“.

Sekundärzitat in drei Zitierstilen (Mustermann 1987, gelesen bei Musterfrau 2019)
ZitierstilIm Text oder in der FußnoteIm Literaturverzeichnis
Deutsche ZitierweiseFußnote: Mustermann, Max: Grundlagen der Quellenkritik, Hamburg 1987, S. 12, zit. n. Musterfrau, Erika: Quellenarbeit im Studium, Berlin 2019, S. 45.Musterfrau 2019, je nach Leitfaden zusätzlich Mustermann 1987
APA 7, deutschsprachig(Mustermann, 1987, zitiert nach Musterfrau, 2019, S. 45)Nur Musterfrau (2019)
APA 7, englischsprachig(Mustermann, 1987, as cited in Musterfrau, 2019, p. 45)Nur Musterfrau (2019)
Harvard (Leitfaden der UCL)(Mustermann, 1987, cited in Musterfrau, 2019, p.45)Nur Musterfrau (2019)

Bei APA steht im Literaturverzeichnis nur die Zweitquelle. Der Harvard-Leitfaden der Bibliothek des University College London (UCL) sieht das ebenso vor. Das Original gehört dort nicht hinein, weil du es nicht gelesen hast.

Bei deutschsprachigen Leitfäden ist das uneinheitlich. Nach einer Checkliste der Universität Heidelberg gehört die Originalquelle trotz „zitiert nach“ zusätzlich ins Literaturverzeichnis. Das Online Writing Lab der TH Nürnberg führt in seinem Beispiel nur das gelesene Werk auf. Maßgeblich ist der Leitfaden deines Instituts.

Wann ein Sekundärzitat vertretbar ist und wann nicht

Der VHB lässt ein Sekundärzitat nur „in Sonderfällen“ gelten, wenn die Originalquelle „unzugänglich oder nur schwer beschaffbar“ ist. APA nennt als Beispiele ein Original, das vergriffen oder nicht erhältlich ist oder nur in einer Sprache vorliegt, die du nicht verstehst.

  • Vertretbar: Das Buch ist vergriffen, und weder deine Bibliothek noch die Fernleihe kann es beschaffen.
  • Vertretbar: Das Original ist nur auf Japanisch erschienen, und du liest kein Japanisch.
  • Nicht vertretbar: Das Original steht in deiner Bibliothek oder ist online frei zugänglich, und du hast nur nicht nachgesehen.
  • Nicht vertretbar: Du willst dir Zeit sparen. Laut VHB riskierst du damit, das Original falsch wiederzugeben.

Das Blindzitat

Noch heikler ist ein Blindzitat. Dabei nennst du im Beleg nur Mustermann 1987, obwohl du die Stelle bei Musterfrau gelesen hast. Du gibst damit vor, eine Quelle geprüft zu haben, die du nie gesehen hast. Der VHB spricht von Blindzitaten, wenn die eigene Überprüfung eines Zitats unterbleibt. Laut TH Nürnberg darfst du das Original „in keinem Fall“ ohne die Zweitquelle zitieren, wenn du es nicht selbst einsehen konntest.

Was die Zweitquelle falsch wiedergibt, steht dann auch in deiner Arbeit. Der VHB beschreibt, wie sich solche Fehler „epidemieartig“ fortpflanzen. Sein Beispiel ist der Name Werner Kroeber-Riel, der serienweise als „Kröber-Riel“ oder „Kroeber-Riehl“ auftauchte. Mitunter setzt sich so auch eine falsche Deutung des Inhalts fort.

So findest du das Original

  1. Literaturverzeichnis der Zweitquelle: Dort steht die vollständige Angabe des Originals.
  2. Bibliothekskatalog: Such in deiner Hochschulbibliothek, auch nach E-Books und lizenzierten Zeitschriften.
  3. Metakatalog: Der Karlsruher Virtuelle Katalog durchsucht zahlreiche Bibliothekskataloge auf einmal und zeigt dir, welche Bibliotheken das Werk haben.
  4. Fernleihe: Hat deine Bibliothek das Werk nicht, bestellst du Buch oder Aufsatz aus einer anderen Bibliothek.
  5. Digitalisate: Ältere Werke sind teils digitalisiert. Die Deutsche Digitale Bibliothek macht unter anderem digitalisierte Bücher zugänglich.
  6. Stelle prüfen: Vergleiche Wortlaut und Seite und lies den Absatz davor und danach. Laut TH Nürnberg kann die Stelle im Original in einem ganz anderen Kontext stehen.

Findest du das Original, zitierst du es direkt und lässt das „zit. n.“ weg. Wortlaut und Seitenzahl nimmst du dann aus dem Original. Ist das Original selbst eine Webseite, helfen dir die Regeln im Ratgeber Internetquellen zitieren.

Warum sich der Weg zum Original lohnt

Wie oft eine Quelle nicht das sagt, was ihr zugeschrieben wird, hat eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse für medizinische Fachartikel untersucht (Jergas und Baethge, PeerJ, 2015). Von 559 gesichteten Studien gingen 28 in die Hauptanalyse ein. Die Autoren schätzten die Gesamtrate an Zitierfehlern auf 25,4 % (95-%-Konfidenzintervall 19,5 bis 32,4 %). Schwere Fehler, bei denen die Quelle mit der Aussage gar nicht übereinstimmt, lagen bei 11,9 %, leichte bei 11,5 %.

Wie oft Sekundärzitate falsch sind, misst die Studie nicht. In einem Teil der ausgewerteten Studien zählte schon der Verweis auf eine Zweitquelle als leichter Fehler. Solche Verweise machten weniger als ein Sechstel aller Probleme aus. Die Zahlen zeigen aber, wie oft ein Beleg nicht hält, was er verspricht. Wer nur aus zweiter Hand zitiert, kann das nicht prüfen.

Übernimmst du Musterfraus Formulierung oder ihre Paraphrase von Mustermann, zeigt eine Plagiatsprüfung die Überschneidung mit Musterfraus Buch, sofern es zu den Vergleichsquellen gehört. Steht im Beleg nur Mustermann, fehlt genau die Quelle, aus der dein Text stammt. Warum das als Plagiat gelten kann, erklärt der Ratgeber zur Definition von Plagiaten.

Was ein Ergebnis nicht beweist

Viele Übereinstimmungen heißen nicht, dass abgeschrieben wurde: Zitate und feste Wendungen zählen mit.

Keine Übereinstimmung heißt nicht, dass jede mögliche Quelle geprüft wurde.

Eine Fundstelle ist ein Treffer, kein Urteil. Ob sie korrekt zitiert ist, entscheidest du.

Ein Ergebnis ist ein Anlass, genauer hinzusehen, mehr nicht.

Häufige Fragen

Eine feste Zahl gibt es nicht. Setz so wenige wie möglich ein. Für jedes einzelne solltest du deiner Prüferin erklären können, warum du nicht mit dem Original arbeiten konntest.

Besser nicht ungeprüft. APA rät, nicht die Vorlesung oder das Lehrbuch zu zitieren, das eine Forschungsarbeit wiedergibt. Such die Originalarbeit, lies sie und zitiere sie direkt, sofern deine Lehrperson nichts anderes vorgibt. Findest du die Quelle der Folie nicht, frag die Dozentin nach der Literaturangabe.

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Quellen

  1. Secondary Sources · American Psychological Association, APA Style (2022)
  2. Harvard: Secondary referencing · University College London, UCL Library
  3. Themenfeld 1: Zitierregeln – Vermeidung von Fremd- und Eigenplagiaten · Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB)
  4. Sekundärzitate aus zweiter Hand · TH Nürnberg, Online Writing Lab
  5. Checkliste Zitieren und Fußnoten · Universität Heidelberg, Tutorium für internationale Studierende (2021)
  6. Quotation accuracy in medical journal articles: a systematic review and meta-analysis · PeerJ (Jergas, H. und Baethge, C.) (2015)