Plagiatsprüfung · Ratgeber
Was ist ein Plagiat? Definition, Arten und Beispiele
Ein Plagiat liegt vor, wenn du fremde Texte, Ideen, Daten oder die Struktur einer Arbeit ohne Kennzeichnung als eigene Leistung ausgibst. Die Universität Duisburg-Essen wertet jede Form des Plagiats unabhängig von der Absicht als schwerwiegenden Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Entscheidend ist, ob die Herkunft erkennbar bleibt.
Inhalt
Plagiat: Definition
Die Universität Duisburg-Essen definiert ein Plagiat als „unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft“. Einfacher gesagt: Du gibst fremdes geistiges Eigentum ganz oder teilweise als eigene Leistung aus. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nennt das Plagiat in ihrem Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis ausdrücklich als Tatbestand wissenschaftlichen Fehlverhaltens, neben der Erfindung und der Verfälschung von Daten.
Ein Plagiat muss weder lang noch wörtlich sein. Auch ein übernommener Gedankengang, eine Gliederung oder eine Abbildung zählt dazu, wenn die Kennzeichnung fehlt oder nicht ausreicht. Die Universität Stuttgart beschreibt den Kern so: Ein Plagiat erweckt den Eindruck, die Verfasserin oder der Verfasser habe eine Leistung selbstständig erbracht, die in Wahrheit aus anderen Quellen stammt.
Plagiatsprüfung
BeispieltextHybride Lehre verbindet Präsenztermine mit digitalen Selbstlernphasen. Hartmann (2021) betont, dass die Begleitung über den Lernerfolg entscheidet, nicht das Medium. Mehrere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass die Motivation von Studierenden in hybriden Formaten steigt, wenn Lehrende regelmäßig Rückmeldung geben. Offen bleibt, wie sich der Mehraufwand für Lehrende langfristig auswirkt.
2 Fundstellen, jede mit ihrer Quelle
- Fachartikel zu hybrider Lehre · Korrekt zitiert92 %
- Hochschulblog zu Lernmotivation · Offen61 %
Ähnlichkeit ist nicht automatisch ein Plagiat. Ob eine Stelle korrekt zitiert ist, entscheidest du.
Plagiatsarten mit Beispielen
Hochschulen benennen die Plagiatsarten nicht einheitlich. Die Universität Gießen unterscheidet acht Formen, das Schreibportal der Universität Leipzig etwa sechs. Selbst der Begriff „Vollplagiat“ bedeutet bei beiden nicht dasselbe. Gießen meint damit eine komplett abgeschriebene Arbeit, Leipzig schon unverändert übernommene Textpassagen. Die Tabelle folgt der Gießener Bedeutung. Die Grenzen zwischen den Typen sind fließend. Als Raster für deinen eigenen Entwurf taugen sie trotzdem:
| Typ | Was passiert | Beispiel |
|---|---|---|
| Vollplagiat | Eine komplette fremde Arbeit wird abgeschrieben und unter eigenem Namen eingereicht. | Du reichst eine fremde Hausarbeit als deine eigene ein. |
| Copy-Paste-Plagiat | Wörtliche Übernahme von Sätzen oder Absätzen ohne Anführungszeichen und Quellenangabe. | Ein Abschnitt aus einem Fachartikel landet unverändert in der Hausarbeit, nur der Autorenname fehlt. |
| Collageplagiat | Passagen aus mehreren Quellen werden ohne oder nur mit lückenhaften Quellenangaben zusammengesetzt. | Ein Absatz besteht aus Sätzen dreier Fachartikel. Belegt ist nur einer davon. |
| Paraphrasenplagiat | Fremde Gedankengänge werden in eigenen Worten wiedergegeben, ohne die Quelle zu nennen. | Du formulierst das Argument eines Buchkapitels komplett um. Ohne Fußnote sieht es aus wie deine eigene Idee. |
| Ideenplagiat | Eine fremde Idee, Theorie oder ein fremder Forschungsansatz wird als eigene Leistung ausgegeben, auch in völlig neuen Worten. | Du stellst die zentrale Hypothese eines Fachartikels als eigenen Einfall vor, ohne den Artikel zu nennen. |
| Strukturplagiat | Gliederung oder Argumentationsaufbau einer bestimmten fremden Arbeit werden übernommen. | Du orientierst dich Kapitel für Kapitel an einer fremden Abschlussarbeit, ohne das offenzulegen. |
| Übersetzungsplagiat | Ein fremdsprachiger Text wird übersetzt und ohne Quellenangabe als eigene Formulierung ausgegeben. | Ein englischsprachiger Studienbefund wird ins Deutsche übertragen, die Originalquelle fehlt. |
| Selbstplagiat | Eigene, bereits bewertete Textteile werden ohne Kennzeichnung wiederverwendet. | Ein Kapitel aus der Bachelorarbeit taucht wortgleich in der Masterarbeit auf. |
| Ghostwriting | Eine andere Person hat die Arbeit oder Teile davon geschrieben. | Eine beauftragte Person liefert ein Kapitel, du reichst es unter eigenem Namen ein. |
Ein Sonderfall ist das Selbstplagiat: Fremdes geistiges Eigentum ist im engeren Sinn gar nicht betroffen. Prüfungsrechtlich kommt es laut Universität Stuttgart trotzdem darauf an, ob Texte oder Daten aus einem früheren Prüfungsverfahren ganz oder teilweise in einem neuen wiederverwendet werden dürfen. Mehr dazu steht im Leitfaden zum Selbstplagiat.
Gießen zählt auch „mangelhaftes Zitieren“ dazu, etwa einen Titel im Literaturverzeichnis ohne Beleg an der Textstelle. Verwandt ist das Blindzitat: Du übernimmst ein Zitat samt Beleg aus einer anderen Arbeit, als hättest du das Original selbst gelesen. Wie es richtig geht, zeigt der Leitfaden zum Sekundärzitat.
Drei Plagiatsarten genauer erklärt
Bei diesen drei Arten muss kein Satz wörtlich übereinstimmen. Umso wichtiger ist es, die Grenze zur sauberen Arbeit zu kennen.
Strukturplagiat: wann eine Gliederung zum Problem wird
Das Leipziger Schreibportal beschreibt das strukturelle Plagiat so: Man formuliert „im Wesentlichen selbst“, übernimmt aber „den Argumentationsgang oder die Textstruktur (und damit den Gedankengang)“ aus einem anderen Text.
Die Standardgliederung deines Fachs fällt nicht darunter. Für medizinische Originalarbeiten etwa nennen die Empfehlungen des Herausgebergremiums ICMJE die Einteilung in Introduction, Methods, Results und Discussion (IMRaD) als übliche Form. Auch der Dreischritt aus Einleitung, Hauptteil und Fazit gehört keinem einzelnen Werk.
Zum Problem wird es, wenn du die Argumentationsfolge einer bestimmten Arbeit Kapitel für Kapitel nachbaust und die Vorlage verschweigst. Lehnst du dich bewusst an eine Arbeit an, nenn sie offen, etwa in der Einleitung: „Die Gliederung dieser Arbeit orientiert sich an Brandt (2021).“ Brandt (2021) ist eine erfundene Quelle.
Übersetzungsplagiat: die eigene Übersetzung braucht trotzdem eine Quelle
Wenn du eine Passage selbst übersetzt, ist die Formulierung deine Arbeit. Der Gedanke bleibt fremd. Die Universität Stuttgart wertet es als Plagiat, wenn eine Arbeit oder Teile davon „unzitiert aus einer anderen Sprache übersetzt“ und als vorgeblich eigene Prüfungsleistung eingereicht werden.
Wie du die Übersetzung kennzeichnest, legt dein Zitierstil fest. Im APA-Stil gilt sie als Paraphrase. Sie steht ohne Anführungszeichen. Der Beleg nennt Autor und Jahr, eine Seitenzahl wird empfohlen. Das Merkblatt eines Würzburger Slavistik-Lehrstuhls lässt dagegen das Zitat im Original stehen und markiert die eigene Übersetzung in der Fußnote mit „[Übers. d. Verf.]“. Ein Beispiel im APA-Stil:
- Original aus einer erfundenen Quelle, Miller (2020), S. 14: „Peer feedback improved revision quality more than teacher comments alone.“
- Deine Übersetzung: Peer-Feedback verbesserte die Qualität der Überarbeitungen stärker als Kommentare der Lehrkraft allein (Miller, 2020, S. 14).
Ideenplagiat: was als Allgemeinwissen gilt
Für Ideen gilt dieselbe Belegpflicht wie für Zitate. Im Leipziger Schreibportal heißt es: „Wer eine Idee gänzlich übernimmt, als die eigene darstellt und keine Quelle angibt, macht sich des Ideenplagiats schuldig.“
Ausgenommen ist, was in deinem Fach als allgemeingültiges Wissen gilt. Die Universität Stuttgart nennt das „Handbuchwissen“. Was dazu zählt, regelt jede Fachkultur anders. Ein Beispiel gibt der Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft: Wer den Begriff „Produktionsfaktor“ verwendet, muss nicht belegen, wer ihn zuerst gebraucht hat. Greifst du dagegen Erich Gutenbergs besondere Überlegungen zum dispositiven Faktor auf, nennst du Gutenberg.
Eine einfache Probe: Kennst du einen Gedanken nur aus einem bestimmten Text, zitierst du diesen Text. Im Zweifel gibst du die Quelle an. Das empfiehlt auch der Leitfaden des MIT zur akademischen Integrität.
Plagiat vs. Prozentzahl: was eine Plagiatsprüfung wirklich zeigt
Eine Plagiatsprüfung berechnet einen Ähnlichkeitswert, also wie viel deines Textes mit anderen Quellen übereinstimmt. Ob darin ein Plagiat steckt, entscheiden Menschen. Nach den Hinweisen der FH JOANNEUM müssen Betreuende jede markierte Stelle einzeln beurteilen. Korrekt zitierte Passagen und Pflichttexte wie die eidesstattliche Erklärung werden oft als Übereinstimmung markiert, zählen aber nicht als Plagiat. Einen festen Prozent-Schwellenwert verwendet die FH JOANNEUM deshalb nicht.
Der Leitfaden Wie funktioniert eine Plagiatsprüfung? erklärt, wie ein Bericht zustande kommt und wie du ihn liest. Vor der Abgabe kannst du deinen Entwurf mit der Certentis Plagiatsprüfung gegenprüfen. Das ist ein Sicherheitscheck, kein Verdacht gegen dich.
Die Grauzone: KI-generierte Inhalte ohne Kennzeichnung
Beim klassischen Copy-Paste ist die Lage eindeutig. Ob dagegen ein Text, den ein KI-Tool erzeugt hat, als Plagiat zählt, ist laut der Universität Stuttgart „nicht trivial“. Eine einheitliche wissenschaftliche Praxis gibt es bislang nicht, einen verbindlichen Zitierstandard für KI-generierte Inhalte auch nicht. Manche Prüfende erlauben die Nutzung ohne Einschränkung, andere verlangen eine ausdrückliche Kennzeichnung, wieder andere untersagen sie ganz.
Laut einer rechtlichen Einordnung der Universität Potsdam ist ein KI-Tool nach herrschender juristischer Meinung kein Urheber. Nach der dortigen Plagiatsrichtlinie ist KI-Nutzung deshalb kein Plagiat, sondern gegebenenfalls die Nutzung eines unerlaubten Hilfsmittels. Ein Verstoß lässt sich aber nur annehmen, wenn für die Prüfung eindeutig festgelegt ist, welche Hilfsmittel erlaubt sind.
Kläre deshalb vorab, was deine Prüfung erlaubt, und lege offen, was du genutzt hast. Laut Universität Stuttgart ergänzen einige Hochschulen die Eigenständigkeitserklärung dafür um eine KI-Klausel. Darin gibst du an, ob und in welchem Umfang du KI-Werkzeuge genutzt hast. Wie du fremde und eigene Formulierungen sauber auseinanderhältst, zeigen die Leitfäden Paraphrasieren: Bedeutung und Regeln und Richtig zitieren.
Wie du ein Plagiat in deiner eigenen Arbeit vermeidest
- Belege jede wörtliche und jede sinngemäße Übernahme an der Stelle, an der du sie verwendest. Ein Eintrag im Literaturverzeichnis allein reicht nicht.
- Belege auch eigene Übersetzungen und Ideen, die du komplett umformuliert hast.
- Übernimm keine Gliederung, Argumentationskette oder Tabelle aus einer fremden Arbeit, ohne das offenzulegen.
- Willst du Textteile aus einer früheren eigenen Arbeit wiederverwenden, kläre vorher, ob eine erneute Einreichung prüfungsrechtlich erlaubt ist.
- Dokumentiere KI-Nutzung so, wie deine Hochschule es verlangt.
- Lass deinen Entwurf vor der Abgabe durch die Certentis Plagiatsprüfung laufen. So findest du Übereinstimmungen mit anderen Quellen, bei denen die Kennzeichnung noch fehlt.
Was ein Ergebnis nicht beweist
Viele Übereinstimmungen heißen nicht, dass abgeschrieben wurde: Zitate und feste Wendungen zählen mit.
Keine Übereinstimmung heißt nicht, dass jede mögliche Quelle geprüft wurde.
Eine Fundstelle ist ein Treffer, kein Urteil. Ob sie korrekt zitiert ist, entscheidest du.
Ein Ergebnis ist ein Anlass, genauer hinzusehen, mehr nicht.
Häufige Fragen
Ist es ein Plagiat, wenn ich aus Versehen zu nah an der Quelle formuliere?
Ja, das kann als Plagiat gelten. Es zählt die fehlende oder unzureichende Kennzeichnung, nicht die Absicht dahinter. Wie streng das im Einzelfall geahndet wird, entscheiden die Prüfenden nach der jeweiligen Prüfungsordnung. Für den Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens liegt die Schwelle höher. Nach dem DFG-Kodex kommen dafür nur vorsätzliche oder grob fahrlässige Verstöße in Betracht.
Ist eine eigene Übersetzung ohne Quelle ein Plagiat?
Ja. Übersetzt du eine fremde Passage und reichst sie ohne Beleg als eigene Leistung ein, wertet etwa die Universität Stuttgart das als Übersetzungsplagiat. Nenne die Originalquelle und kennzeichne die Übersetzung so, wie es dein Zitierstil verlangt.
Was ist der Unterschied zwischen Ideenplagiat und Allgemeinwissen?
Allgemeinwissen ist, was in deinem Fach als bekannt gilt, laut Universität Stuttgart das „Handbuchwissen“. Es braucht keinen Beleg. Eine Idee, die du einer bestimmten Quelle verdankst, braucht dagegen einen, auch in eigenen Worten. Fehlt er, kann das als Ideenplagiat gelten.
Zählt die Verwendung von KI-Tools als Plagiat?
Nicht automatisch. Ob KI-generierte Inhalte überhaupt als Plagiat einzuordnen sind, ist laut Universität Stuttgart „nicht trivial“. Eine einheitliche wissenschaftliche Praxis gibt es bislang nicht. Es kommt darauf an, was deine Hochschule oder dein Institut erlaubt und ob du die Nutzung offenlegst, etwa in einer erweiterten Eigenständigkeitserklärung. Verstößt deine KI-Nutzung gegen die Regeln deiner Prüfung, kann das als Täuschung gewertet werden.
Wie viel Prozent Ähnlichkeit gilt als Plagiat?
Es gibt keinen universellen Schwellenwert. Hochschulen wie die FH JOANNEUM verzichten bewusst auf feste Prozentgrenzen, weil der Wert allein wenig aussagt. Der Leitfaden Wie funktioniert eine Plagiatsprüfung? zeigt, wie du einen Prüfbericht liest.
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Zur PlagiatsprüfungQuellen
- Plagiate und Plagiatsprävention · Universität Duisburg-Essen
- Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Kodex (Version 1.2) · Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (2024)
- Leitfaden für Studierende zur Vermeidung von Plagiaten · Universität Stuttgart (2025)
- Welche Plagiatsformen gibt es? · Justus-Liebig-Universität Gießen
- Plagiate · Universität Leipzig, Portal Wissenschaftliches Schreiben
- Preparing a Manuscript for Submission to a Medical Journal · International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE)
- How to cite your own translations · American Psychological Association, APA Style (2022)
- Merkblatt: Zitate und Bibliographie · Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl Literatur und Kultur Russlands (2022)
- Themenfeld 1: Zitierregeln – Vermeidung von Fremd- und Eigenplagiaten · Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB)
- What is Common Knowledge? · Massachusetts Institute of Technology, Academic Integrity at MIT
- Interpretation von Plagiatsberichten (SA05) · FH JOANNEUM
- Der Einsatz von KI in Hochschulprüfungen und dessen prüfungsrechtlichen Auswirkungen · Universität Potsdam (2023)