Plagiatsprüfung · Ratgeber
Wie funktioniert eine Plagiatsprüfung? Ablauf, Datenbanken und was der Wert bedeutet
Eine Plagiatsprüfung zerlegt deinen Text in kurze Abschnitte, vergleicht sie mit einer Datenbank aus Webseiten, Fachpublikationen und bereits eingereichten Arbeiten und fasst die Treffer zu einem Prozentwert zusammen. Der Wert zeigt nur, wie viel deines Textes mit anderen Quellen übereinstimmt. Ob das ein Plagiat ist, sagt er nicht. Eine allgemein gültige Obergrenze gibt es für ihn nicht.
Inhalt
Was ist eine Plagiatsprüfung?
Eine Plagiatsprüfung ist ein softwaregestützter Abgleich. Die Software vergleicht deinen Text mit bereits vorhandenen Texten, etwa aus dem Internet, aus Fachpublikationen oder aus Abschlussarbeiten. Das Ergebnis ist ein Bericht: Er markiert übereinstimmende Passagen, listet die Quellen dazu auf und berechnet einen Ähnlichkeitswert in Prozent. So beschreibt es das Informationsblatt der Universität des Saarlandes zur Plagiatsprüfung.
Die Software liefert Hinweise. Das Urteil fällen Menschen. Laut dem Informationsblatt müssen Prüfende jede markierte Stelle einzeln beurteilen. Über das Vorliegen eines Plagiats entscheidet an der Universität des Saarlandes in der Regel das zuständige Prüfungsgremium, nicht eine einzelne prüfende Person.
Plagiatsprüfung
BeispieltextHybride Lehre verbindet Präsenztermine mit digitalen Selbstlernphasen. Hartmann (2021) betont, dass die Begleitung über den Lernerfolg entscheidet, nicht das Medium. Mehrere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass die Motivation von Studierenden in hybriden Formaten steigt, wenn Lehrende regelmäßig Rückmeldung geben. Offen bleibt, wie sich der Mehraufwand für Lehrende langfristig auswirkt.
2 Fundstellen, jede mit ihrer Quelle
- Fachartikel zu hybrider Lehre · Korrekt zitiert92 %
- Hochschulblog zu Lernmotivation · Offen61 %
Ähnlichkeit ist nicht automatisch ein Plagiat. Ob eine Stelle korrekt zitiert ist, entscheidest du.
Der Ablauf einer Plagiatsprüfung
Technisch läuft eine Plagiatsprüfung in drei Schritten ab:
- Die Software zerlegt den eingereichten Text in kurze Wortfolgen, die sich überlappen.
- Diese Abschnitte gleicht sie mit einer Datenbank aus Webseiten, wissenschaftlichen Publikationen und früher eingereichten Arbeiten ab.
- Übereinstimmungen werden markiert, mit der jeweiligen Quelle verknüpft und zu einem Prozentwert zusammengefasst.
Aus dem Satz „Die Studie zeigt einen Effekt“ entstehen bei Folgen aus je drei Wörtern drei Abschnitte: „Die Studie zeigt“, „Studie zeigt einen“ und „zeigt einen Effekt“. Ein systematischer Übersichtsartikel zu Plagiatsarten und Erkennungsverfahren beschreibt für diesen Abgleich unter anderem Zeichenketten-Verfahren und sogenannte Shingle-Methoden, die überlappende Wortfolgen zweier Texte miteinander vergleichen.
Die Brown University Library beschreibt das Prüfsystem, das sie einsetzt, so: Es erzeugt einen interaktiven Bericht, der übereinstimmenden Text markiert. Ein Plagiat kann es für sich genommen nicht feststellen.
Wie viel Prozent Plagiat sind erlaubt?
Erlaubt sind 0 % Plagiat. Nach der Definition des Deutschen Hochschulverbands, die das Informationsblatt der Universität des Saarlandes zitiert, liegt ein Plagiat vor, wenn Texte Dritter „ganz oder teilweise, wörtlich oder nahezu wörtlich übernommen und als eigene wissenschaftliche Leistung ausgegeben werden“. Die Zahl im Prüfbericht ist aber kein Plagiatsanteil. Sie ist ein Ähnlichkeitswert: Sie sagt, wie viel Text mit anderen Quellen übereinstimmt, nicht, ob diese Übereinstimmung unrechtmäßig ist. Für diesen Wert gibt es keine allgemeine Grenze.
Ein Leitfaden der University of Reading formuliert es direkt: Eine Übereinstimmung bedeutet nicht automatisch ein Plagiat, und es gibt keinen idealen Prozentwert. Auch die FH JOANNEUM verwendet ausdrücklich keinen festen Schwellenwert. Ihre Begründung: Die Prozentzahl allein ist wenig aussagekräftig.
Das gilt in beide Richtungen. Ein hoher Wert kann harmlos sein, etwa bei einer Literaturarbeit mit vielen sauber belegten Zitaten. Ein niedriger Wert kann trotzdem ein Plagiat bedeuten, wenn eine zentrale Stelle ohne Kennzeichnung übernommen wurde. Wie sich eine einzelne Zahl zusammensetzt, zeigt das folgende Beispiel.
Rechenbeispiel: Woraus sich 10 % zusammensetzen
Das Beispiel ist erfunden. Angenommen, der Bericht zu einer 40-seitigen Abschlussarbeit zeigt 10 % Ähnlichkeit. Beim Durchsehen der Treffer ergibt sich diese Aufteilung:
| Bestandteil | Anteil am Wert | Einordnung nach dem Durchsehen |
|---|---|---|
| Literaturverzeichnis | etwa 5 % | Unbedenklich: Quellenangaben sehen in vielen Arbeiten gleich aus |
| Wörtliche Zitate mit Anführungszeichen und Beleg | etwa 3 % | Unbedenklich: korrekt gekennzeichnet |
| Standardformulierungen und Fachbegriffe | etwa 1 % | Unbedenklich: allgemein übliche Sprache |
| Ein Absatz ohne Quellenangabe | etwa 1 % | Problem: Die Quelle fehlt |
Neun der zehn Prozentpunkte sind nach dem Durchsehen harmlos. Der eine verbleibende Prozentpunkt ist das Problem, denn nur an dieser Stelle fehlt die Quelle. In der Gesamtzahl fällt dieser Absatz kaum auf. Die University of Reading rät Lehrenden, bei langen Arbeiten auch Treffer von 1 % darauf zu prüfen, ob sie korrekt belegt sind.
Wie schwer Treffer ohne Kennzeichnung wiegen, hängt laut FH JOANNEUM von ihrer Zahl, ihrem Umfang und ihrer inhaltlichen Tiefe ab. Die Hochschule nennt drei typische Befunde. Eine einzelne, kleine, unbedenkliche Ähnlichkeit ohne Kennzeichnung ist meist harmlos. Viele übernommene oder leicht veränderte Sätze ohne Kennzeichnung sind kritisch. Längere kopierte Abschnitte oder inhaltlich relevante Kerngedanken ohne Kennzeichnung gelten dort als Täuschungsversuch.
Filter verändern den Wert
Manche Prüfsysteme können Zitate, das Literaturverzeichnis oder sehr kurze Treffer aus der Berechnung herausnehmen. Die University of Reading beschreibt solche Filter für das System, das sie einsetzt. Solange sie nicht aktiv sind, zählen diese Treffer zum Gesamtwert. Im Beispiel oben läge der Wert ohne Literaturverzeichnis und Zitate rechnerisch bei etwa 2 % statt 10 %. Wenn du zwei Werte vergleichst, kläre deshalb zuerst, mit welchen Einstellungen sie entstanden sind.
Warum auch korrekt zitierte Stellen auftauchen
Ein Treffer heißt nur, dass eine Textstelle in der Datenbank vorkommt. Ob sie ordentlich belegt ist, spielt für den Abgleich keine Rolle. Typische Treffer in einer sauberen Arbeit sind wörtliche Zitate in Anführungszeichen, das Literaturverzeichnis mit seinen Quellenangaben, vorgegebene Formulierungen aus Vorlagen oder Methodenteilen und feststehende Fachbegriffe, die viele Arbeiten im selben Feld nutzen.
Die University of Reading nennt zwei Beispiele. Korrekt belegte Zitate erscheinen als Treffer und lassen sich beim Durchsehen übergehen. Und weil andere Studierende irgendwann dieselben Quellen verwendet haben, tauchen auch die Quellenangaben als Übereinstimmung auf. Die FH JOANNEUM ergänzt Pflichttexte wie die eidesstattliche Erklärung, die oft als Übereinstimmung markiert werden, aber nicht als Plagiat zählen.
Solche Treffer kannst du abhaken, sobald die Stelle korrekt gekennzeichnet ist. Wie das geht, zeigt der Leitfaden zum richtigen Zitieren.
Grenzen von Plagiatsprüfungen
Wörtliche und fast wörtliche Übernahmen findet der automatische Abgleich zuverlässig. Bei stark umformulierten Übernahmen stößt er an seine Grenze: Wenn zwei Texte keine gemeinsamen Wortfolgen mehr haben, gibt es nichts abzugleichen. Der oben verlinkte Übersichtsartikel beschreibt genau diese Schwäche shinglebasierter Verfahren bei stark paraphrasiertem Text.
Übersetzte Übernahmen sind ein eigenes Forschungsfeld. Eine übersetzte Stelle teilt mit ihrer Quelle kaum Wortfolgen, die ein einfacher Abgleich finden könnte. Wer die Ausgangssprache nicht versteht, bemerkt sie auch beim Lesen kaum. Eine systematische Übersicht zur sprachübergreifenden Plagiatserkennung nennt fehlende Werkzeuge und Leitlinien für die praktische Umsetzung als offene Lücke.
Schließlich findet eine Prüfung nur, was in ihrer Datenbank steht. Kein System erfasst jede denkbare Quelle. Gedruckte, kostenpflichtige oder sonst nicht öffentlich zugängliche Texte können fehlen. Ein niedriger Wert belegt deshalb nicht, dass ein Text frei von übernommenen Stellen ist.
| Fall | Erkennungsgrad |
|---|---|
| Wörtliche Übernahme ohne Zitat | Hoch |
| Leicht umformulierte Übernahme | Mittel |
| Stark umformulierte Übernahme | Gering |
| Übersetzte Übernahme | Gering bis keine |
| Quelle außerhalb der Datenbank | Keine |
Einen Plagiatsbericht lesen: Schritt für Schritt
Ein Plagiatsbericht zeigt deinen Text mit farbig markierten Treffern, eine Liste der gefundenen Quellen und den Gesamtwert. So gehst du ihn durch:
- Lass den Gesamtwert zunächst beiseite. Er sagt dir noch nicht, wo ein Problem liegt.
- Beginne mit den größten Einzeltreffern. Laut University of Reading kann ein hoher Anteil einer einzelnen Quelle zeigen, dass du dich zu stark auf sie stützt. Das gilt auch dann, wenn alles korrekt belegt ist.
- Ordne jeden Treffer ein. Ist es ein wörtliches Zitat in Anführungszeichen mit Quellenangabe? Ein Eintrag im Literaturverzeichnis? Ein Pflichttext, eine allgemein übliche Formulierung oder ein Fachbegriff? Auch Text aus einer eigenen früheren Arbeit kann auftauchen. Wann das ein Problem ist, erklärt der Leitfaden zum Selbstplagiat.
- Notiere jeden Treffer ohne Quellenangabe. Das gilt auch für leicht umformulierte Stellen, von denen der Bericht nur einzelne Wortfolgen markiert.
- Behebe diese Stellen. Setze ein wörtliches Zitat in Anführungszeichen und belege es. Oder gib die Stelle in eigenen Worten wieder und nenne die Quelle auch dann. Oder streiche sie. Wie du korrekt belegst, zeigt der Leitfaden zum richtigen Zitieren.
- Prüfe den überarbeiteten Text erneut. Neue oder verbliebene Treffer gehst du nach demselben Muster durch. Ein korrekt belegtes Zitat darf als Treffer stehen bleiben.
Bekommst du einen Bericht von deiner Hochschule, frag bei Unklarheiten deine Betreuungsperson, wie er dort ausgewertet wird.
Den eigenen Entwurf vorab prüfen
Diese Schritte kannst du schon vor der Abgabe gehen. Was genau als Plagiat gilt, findest du im Leitfaden Was ist ein Plagiat?.
Mit der Certentis Plagiatsprüfung prüfst du deinen Entwurf selbst. Der Bericht zeigt dir jede markierte Stelle mit ihren Quellen. So kannst du eine fehlende Quellenangabe rechtzeitig nachtragen. Auch hier ersetzt der Gesamtwert nicht den Blick auf die einzelnen Treffer. Quellen, die die Prüfung nicht erreicht, kann auch sie nicht erfassen.
Was ein Ergebnis nicht beweist
Viele Übereinstimmungen heißen nicht, dass abgeschrieben wurde: Zitate und feste Wendungen zählen mit.
Keine Übereinstimmung heißt nicht, dass jede mögliche Quelle geprüft wurde.
Eine Fundstelle ist ein Treffer, kein Urteil. Ob sie korrekt zitiert ist, entscheidest du.
Ein Ergebnis ist ein Anlass, genauer hinzusehen, mehr nicht.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent Plagiat sind erlaubt?
Plagiat ist in keinem Umfang erlaubt. Der Prozentwert im Prüfbericht misst aber Ähnlichkeit, nicht Plagiat. Für ihn gibt es keine allgemeine Grenze. Ein Rechenbeispiel steht im Abschnitt Wie viel Prozent Plagiat sind erlaubt?.
Ist ein hoher Ähnlichkeitswert automatisch ein Plagiat?
Nein. Übereinstimmungen entstehen auch durch korrekt belegte Zitate, das Literaturverzeichnis und gängige Fachbegriffe. Entscheidend ist, ob jede übernommene Stelle gekennzeichnet ist, nicht die Höhe des Prozentwerts.
Was steht in einem Plagiatsbericht?
Der Bericht zeigt deinen Text mit farbig markierten Übereinstimmungen. Er listet die Quellen auf, in denen diese Stellen gefunden wurden, und nennt den Anteil übereinstimmender Textteile in Prozent. Ob plagiiert wurde, beurteilen danach Menschen, Stelle für Stelle.
Zählen Zitate und das Literaturverzeichnis mit?
Ja, sofern das Prüfsystem sie nicht herausfiltert. Der Abgleich erkennt nicht, ob eine Stelle korrekt belegt ist. Manche Systeme können Zitate, das Literaturverzeichnis und sehr kurze Treffer ausschließen. Dann sinkt der Wert, ohne dass sich am Text etwas geändert hat.
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Text auf Übereinstimmungen prüfen
Die Plagiatsprüfung vergleicht deinen Text mit veröffentlichten Quellen und zeigt dir die Treffer.
Zur PlagiatsprüfungQuellen
- Systematische Übersicht zu Plagiatsarten und Erkennungsverfahren · Frontiers in Computer Science (2025)
- Cross-Language Plagiarism Detection: Methods, Tools, and Challenges (Systematic Review) · International Journal on Advanced Science, Engineering and Information Technology (2022)
- Leitfaden zur Funktionsweise automatischer Textprüfung · Brown University Library
- Leitfaden zu Ähnlichkeits-Berichten für Lehrende · University of Reading
- Interpretation von Plagiatsberichten (SA05) · FH JOANNEUM
- Informationsblatt zur Überprüfung von möglichen Plagiaten · Universität des Saarlandes